Von Alsen in Dänemark zur schwedischen Schärenküste und zurück

Törnbericht

Familie Strohschneider

10. – 29. August 2008

 

Boot: “Atlantic II”, Jeanneau Sun Light 30

L 9,17m, B 3,25m, T 1,70m, Bj 1990

3,1 t, 56 m2 am Wind, 18 PS Volvo

Patentreff, Rollgenua

gechartert über PCO (Privat Charter Ostsee)

 

 

Familie Strohschneider im Sommerurlaub: Am Anfang und am Ende

 

 

 

 

 

 

1. Tag

Von Dyvig auf Alsen (traumhaft schöner Naturhafen,etwas kitzelige Ausfahrt) nach Aarö, kleine Insel im kleinen Belt; unterwegs Manövertraining. 22,3sm

Bewölkt, Schauer, SW 6-7, Seegang 3-4, gerefft

Die „Atlantic II“ auf Aarö

 

2. Tag

von Aarö nach Middelfart durch den Fanö Sund, landschaftlich sehr reizvoll. Der Stadthafen in Middelfart ist nicht sehr lauschig. 19,8 sm

Bewölkt, Schauer, SW 6-7 später 5, Seegang 3-4, in Sund und Belt 1-2; nur unter ungereffter Genua, später Groß gesetzt.

Regenschauer im kleinen Belt

 

 

 

3. Tag

Ruhetag in Middelfart, Stadtbesichtigung, Niesel, schlafen.

im kleinen Belt vor Middelfart

 

4. Tag

Von Middelfart nach Ballen auf Samsö – ein wilder Ritt mit einem „Highscore“ von 43kn scheinbarem Wind (raumschots) in einer Schauerbö und einem „Highspeed“ von 11,5kn im Surf. 40,5sm in knapp 6 Stunden – nicht schlecht für ein 30-Fuß Boot.

Bewölkt, später Schauer mit Böen, SSW 5-6 zunehmend auf 8, in Böen 9, Seegang 5, unter Land 4; zweifach gerefftes Groß und ein kleines bisschen Fock

 

viel Wind im Kattegat– und es wird noch mehr werden

 

 

 

5. Tag

Ruhetag auf Samsö – eine schöne Insel, toller Sandstrand direkt neben dem Hafen, schöne Spaziergänge. Bewölkt mit sonnigen Abschnitten, Wind immer noch SW 6.

                             Der Hafen von Ballen auf Samsö                                                                                 Ruhetag

 

Stilleben

 

 

6. Tag

Von Samsö nach Anholt mitten im Kattegat. Ablegen unter Segeln in der Morgendämmerung, leider schlief am Nachmittag der Wind ein und wir mussten die letzten zweieinhalb Stunden motoren – ätzend. Das Anlaufen von Anholt verlangt wegen der großen Sände und der schmalen Fahrrinne navigatorische Sorgfalt. 64,1sm

Sonnig, über Mittag bewölkt mit einem Schauer, SW 2-3 ostdrehend 0-1. Der erste Segeltag ohne Reffs.

Abendstimmung auf Anholt (bitte beachtet den BASC-Aufkleber!)

 

 

 

 

7. Tag

Anholt ist ein einsames Naturparadies: Vormittags Sommer-Strand-Sand-Urlaub, dann endlich auf nach Schweden, genauer gesagt: Glommen, ein Stück südlich Varberg. 33,9sm Sonnig, NNO 2-3 rückdrehend, auffrischend, später NNW 5, Seegang 1-2, später 4 – endlich mal wieder Gelegenheit, uns weiter im Reffen zu üben.

      Endlich Sonne!

 

 

8. Tag

Von Glommen aus die schwedische Küste hoch nach Varberg – leider den ganzen Tag gegenan und unter eingerollter Genua läuft die „Atlantic II“ keine gute Höhe. 27,4sm

Bewölkt, N 4-5, später 5-6, stark böig, Seegang 3-4, natürlich bald wieder ein Reff.

 

 

9. Tag

Ruhetag in Varberg – Besichtigung von Stadt und Festung, Kaffee auf dem Marktplatz, Bummeln und Shoppen – und alles bei Sonne. Varberg ist ein wunderhübsches Städtchen und südlicher Beginn der Schärenküste

Die ersten Schären vor Varberg

 

10. Tag

Von Varberg weiter an den ersten Schären vorbei und dann „außenrum“ nach Vinga, einer kleinen, sehr nordischen Insel weit draußen, genau westlich vor Göteborg. 42,6sm

Bewölkt, diesig, SW 4 später S 5, Seegang 4; Segelführung wie immer: ein Reff im Groß, etwas eingerollte Genua.

 

                                                                                         

 

Steuern nach Kompass erfordert Aufmerksamkeit

 

                                                                                                                    

                                                                                         

 

11. Tag

Vinga war ein Fehler: sehr starker Strom in dem engen Kanal zwischen den beiden Inseln, dazu Wind in der gleichen Richtung, kein  Manövrierraum und keine Möglichkeit, das Boot von Hand zu verholen. Beim Ablegen den Steg geschrammt und ein Stück von der Fußleiste abgefahren und eine Relingsstütze verbogen. Keine Chance mit Fendern. Aber wir mussten weg, weil es auf Vinga kein Wasser gibt und unsere

Tanks leer waren. Also weiter nach Marstrand durch die immer malerischer werdende Schärenwelt – heute zumeist unter Landschutz. 18,4sm

Wetter wechselhaft, SW 6, Seegang je nachdem: 0-4, nur unter leicht gereffter Genua.

 

 

 

Vinga

                                                                                                                          

 

12. Tag

Ruhetag auf Marstrand, Einkäufe, Wanderung rund um die Insel mit herrlichen Landschaftseindrücken, sonnig.

 

13. Tag

Von Marstrand aus noch eine kleine Ecke weiter zu einer Insel namens St. Dyrön, Südhafen – unser nördlichster Punkt auf dieser Reise. Reizvolle kleine Insel. 4,3sm

Sonnig, SW 4, Seegang 1, nur Genua – Genußsegeln.

 

 

 

  In den Schären

                                                                

 

14. Tag.

Mal wieder eine längere Etappe. Von St. Dyrön aus in der Morgendämmerung durch die Schären nach Süden erst unter Maschine, dann segelnd. Diesmal wählten wir den inneren Weg durch die Schären an Göteborg vorbei bis nach Träslövsläge südlich Varberg. Anlegen endlich mal wieder bei einem richtig heftigen Regenschauer. 58,2sm

Anfangs sonnig, später bewölkt und Regen. O 2, später 4, abends 2. Ohne Reffs!

 

 

 

15. Tag

Von Träslövsläge aus quer durchs Kattegat, an Anholt vorbei nach Greena. Ein sehr langer Tag auf See – leider schlief am späteren Vormittag der Wind völlig ein und wir mussten motoren. 61sm

Sonnig, OSO 2-3 später abflauend 0-1. Seegang 2-3, später 0. Schon wieder ungerefft.

 

 

Seefahrt macht müde

 

 

16. Tag

Von Greena straks nach Süden bis nach Ballen auf Samsö. Wind von vorn und starker N-Strom: Nach zwei langen Kreuzschlägen lagen wir praktisch wieder auf der Ausgangsposition. Also schon wieder motoren, schade. 42,8sm

Wolkig, später diesig. S 3-4, Seegang 3.

 

17. Tag

Von Ballen aus weiter nach Süden durch den großen Belt bis nach Korsör, teilweise sehr lustvolles, schnelles Segeln am Wind. Die Store Belt-Broen sieht man schon stundenlang, bevor man hindurchsegelt, Korsör selbst ist ein sehr malerisches dänisches Hafenstädtchen. 38sm

Wolkig, teilweise sonnig, SW 3-4 zunehmend 4-5, ein Reff im Groß, später ausgeschütt

 

 

An der Kreuz

 

 

 

18. Tag

Von Korsör aus parallel zur Brücke nach Westen, dann innen an Langeland vorbei nach Süden, durch den Svendborgsund und bis nach Rantzausminde. Auch heute wieder unsere üblichen 6-7 Windstärken und endloses Gekreuze an Langeland vorbei. Durch den Svendborgsund (wunderschönes Fahrwasser!) hindurch mussten wir leider motoren. 43,6sm

Bewölkt, teilweise heftige Schauer, SW 5-6 zunehmend 6-7 – müssen wir eigentlich ständig bei 30kn Wind segeln? 2 Reffs im Groß, kleine Fock.

 

 

Aufkreuzen vor Langeland

 

 

 

19. Tag

Von Rantzausminde aus durch das enge Fahrwasser Richtung Aeroe. Ankern in der Borknaes Bugt, wo wir 2005 und 2006 zwei herrliche Sommerurlaube verbracht hatten. Dann in den Yachthafen von Aeroesköbing. Wer dieses Städtchen noch nicht kennt: Hinsegeln! 15,9sm

Sonnig, WNW 3-4, Seegang 2; keine Reffs!

 

 

Wir jagen eine Hallberg-Rassy

 

 

 

20. und letzter Tag

Von Aeroesköbing aus durch die dänische Südsee, nördlich an Alsen vorbei wieder zurück nach Dyvig. Wieder ein langer Schlag und wir müssen uns beeilen, um pünktlich um 18 Uhr wieder zurück zu sein. Aber Rasmus belohnt uns mit einem traumhaften letzten Segeltag. 47,1 sm

Sonnig, NW 5-6, später 5, dann abnehmend 3, Seegang 3-4, abnehmend. Die üblichen Reffs um die Mittagszeit ausgeschüttelt.

 

 

 

 

 Skippernachwuchs

 

 

 

 

 

                                                                      

Insgesamt haben wir auf dieser Reise 584sm zurückgelegt, davon 420sm unter Segeln. Die Stimmung an Bord war allzeit gut und unsere „Atlantic II“ ist uns richtig ans Herz gewachsen. Das Schiff segelt raumschots und bei halbem Wind ordentlich schnell, am Wind zieht die Rollgenua - jedenfalls in teilweise eingerolltem Zustand (anders können wir es nicht beurteilen) nicht gut. Innen war die Raumaufteilung sehr praktisch, die Ausstattung gemütlich und die Achterkajüte für unsere zwei Jugendlichen prima geeignet – für völlig ausgewachsene Menschen wäre es wohl eng geworden. Aber so musste niemand im Salon schlafen, was das Leben an Bord einfacher macht.

Wir sind an 16 Tagen gesegelt, davon hatten wir an 7 Tagen mindestens Windstärke 6 oder mehr und an 10 Tagen mindestens Windstärke 5 oder mehr – eine „28“ (Windgeschwindigkeit in Knoten) auf dem Windmesser erschien uns irgendwann schon als normal und wir haben gelernt, ein Boot auch bei viel Wind sicher zu segeln (und uns dabei zu entspannen). Außerdem haben wir unsere Geschwindigkeit beim Ein- und Ausreffen auf regattareifes Niveau gebracht: 30 Sekunden pro Reff.

 

Allgemeine Anmerkungen und Hinweise:

·      Zur Verhinderung von Seekrankheit haben wir das in der „Yacht“ beschriebene Verfahren sehr hoher Vitamin-C-Gaben (mindestens 2 Gramm reines Vitamin C pro Tag) ausprobiert und es hat sehr gut funktioniert. Auf der ganzen Reise hat nur Mona einmal kurz gespuckt - aber auch nur nachdem sie mitten im Kattegat bei wenig Wind und ekliger alter Welle stundenlang in ihrer Achterkajüte gelesen hatte.

·      Für die Wettervorhersagen hatten wir uns bei „Wetterwelt“ (s. www.yacht.de/Wetter) für 20 Euro 30 Wettermails gekauft, die wir bei Bedarf 1-2 mal täglich per SMS für das gerade aktuelle Seegebiet abgerufen haben. Die allgemeine Wettervorhersage erwies sich als recht zuverlässig, die Windstärkenvorhersage war allerdings regelmäßig 1-2 Bft zu niedrig. Wie uns andere Segler mitteilten, galt das im Sommer 2008 wohl für die meisten Windvorhersagen.

·      Man muss in der schwedischen Schärenwelt sorgfältig navigieren, Inseln und Seezeichen „abhaken“. Die Fahrwasser und Durchfahrten sind manchmal sehr eng. Wir hatten GPS und eine sehr antiquierte elektronische Seekarte an Bord, die el. Seekarte neigte aber zu Aussetzern und wir haben uns vor allem auf die Papierseekarten verlassen.

·      Dänemark und Schweden haben unterschiedliche Reduzierventilsysteme für die Gasflaschen. Das haben wir leider erst unterwegs gemerkt und konnten deshalb unsere leeren Gasflaschen in Schweden nicht ersetzen. Für den Morgenkaffee mussten wir uns auf „Nachbarschaftshilfe“ verlassen, was aber kein Problem war – danke!

·      In schwedischen Häfen gibt es häufig Mooringleinen zum Festmachen achtern: Keine Angst davor! Einfach mit dem Bootshaken angeln, über die Heckklampe führen und, sobald die Vorleine über ist, gemächlich justieren.

·      Gutes Ölzeug trägt bei schlechtem Wetter in erheblichem Umfang zur Stimmung an Bord bei.