Segeltörn rund Fünen vom 7.09.bis 14.09.2008
Skipper: Heiko und Martin
Das Boot: „LORBAS“, eine Bianca 43 Fuß, dänischer Werftbau
Die Crew: Peter, Michael, Karl Otto, Walther, Alfons, Fabian

Sonntag, 07.09.
Wir treffen uns um 7. 00 Uhr in Oberhaid und nach dem Beladen fahren wir nonstop nach Kiel, wo wir um 12.30 ankommen. Am Steuer des VW-Busses ist K.O., unser bewährter Skipper, diesmal nicht in dieser Verantwortung, da wir für die kommende Woche einen Ostsee erfahrenen Segler aus dem Verein „Jugendsegeln e.V.“ bestellt haben. Wir kommen weit vor dem vereinbarten Termin von 15.00 Uhr an, rufen Florian V. an und kurze Zeit später beginnt die Übergabe. Mit dem Verteilen der Kojen, dem Beladen des Proviants und einem späten Mittagessen sind wir um 15.30 Uhr fertig. Wir warten auf Heiko unseren Skipper, der noch Regatta fährt. Wie wir später erfahren, ist er Präsident der „49er“ Klassenvereinigung und muss die Siegerehrung vornehmen. Um 19 Uhr manövrieren wir aus dem „Millionenbecken“- es liegen zwei Boote im Millionenwert hier- und bei 2 Knoten Südwestwind segeln wir auf Raumschotkurs von Kiel nach Schilksee. Um 20 Uhr legen wir im Olympiahafen an. Wir haben 6 Seemeilen zurückgelegt. Wadi bereitet Brotzeit zum Abendessen vor und mit Kartenspielen und Rotwein trinken beenden wir den Abend um 00.30 Uhr.
Gefahrene Seemeilen: 6
Montag, 08.09.
Vorhersage: Südwest 3 – 4, in Böen 5 kn
Frühstück um 9.30 Uhr, Schinkenspeck mit Spiegelei, KO liegt im Bett mit Kreislaufproblemen. Wir legen um 10.45 Uhr ab Richtung Sönderborg-Dänemark.
Um 10 Uhr fahren wir unter Genua und Groß Kurs 45°, Wadi steuert, 11.15 Uhr Halse, Kurs 320 Grad, KO ist jetzt wieder an Deck, Fabian steuert ab 14.30 Uhr. Um 16 Uhr legen wir in Sönderberg an, es regnet stark, deswegen fahren wir einige Extrarunden, bis der Regen etwas nachlässt. Wir bauen die „Kuchenbude“ auf, Wadi und Peter kochen Reis und Geschnetzeltes.
Das Boot segelt gut bis 8,5 KN bei 21 KN Wind aus Südwest. Wir haben wenig Wellen außer beim Queren von Eckernförde, bei Damp stehen die Wellen 1 – 1,2 Meter hoch und heben das Boot von hinten an, der Steuermann muss das Ausdemruderlaufen gut korrigieren, ab und zu etwas Regenschauer, es trocknet alles schnell ab, die Sonne wärmt unheimlich. Dann steuert Wadi stundenlang immer an den Bojen eines Sperrgebiets entlang. Am Schluss hat Fabian Premiere beim Steuern. Am Abend spazieren wir in das Städtchen Sönderborg und betrachten die Brücke, durch die wir morgen fahren müssen.
Gefahrene Seemeilen: 40
Dienstag, 09.09.
10.45 Uhr ablegen, Wind Südwest 2 KN
Passieren um 10.57 Uhr die Brücke in Sönderborg mit Motor und Groß, das nennt sich dänisch Aufkreuzen laut Heiko. Ab 11.10 Uhr Fock und Groß Kurs 10° N°. Wir passieren viele schöne Häuser entlang des Kanals. Ab 13 Uhr Kurs 30°N durch den Kanal, dann weiter bis Middelfart. Großer toller Hafen. Dorthin unterwegs fahren wir oft auf Vorwindkurs - Schmetterlingssegel. Bei einer Patenthalse fällt Fabian ins Boot, er hat versucht den Baum zu halten, KO an der Großschot hat es auch nicht geschafft. Beide haben Schmerzen.
Um 18.30 Uhr sehen wir einen Tümmler, Wadi steuert fast alles allein, wie gestern. Abends grillen wir im Hafenbecken, davor fahren Jugendliche Ausbildung mit Optis, es ist jede Menge los auf dem Wasser. Das Hafenamt hat nur von 12 – 14 Uhr offen, heute klopfte um 7.30 Uhr der Hafenmeister, unser Aufkleber war nicht da wo er hinsollte - nämlich am Anker. Auch hier gibt es keine Möglichkeit noch zu zahlen. Heute Abend geht Heiko von Bord, er muss viel arbeiten und Martin kommt neu als Skipper an Bord. Florian fuhr von Kiel bis Dänemark um den Skipperaustausch möglich zu machen. Wir grillen für alle zusammen und nach dem Essen fahren Florian und Heiko um 22.00 Uhr wieder zurück.
Gefahrene Seemeilen 45
Mittwoch, 10.09.
10.15 Uhr ablegen. Vorhersage: Wind SO, 3-5 KN
Um 10.20 Uhr segeln wir durch den Kanal unter 2 Brücken – Eisenbahn und Autobahn – hindurch. Das Wetter ist kühl und regnerisch. Dann drehen wir auf Vorwindkurs, ab 12 Uhr Schmetterlingssegeln mit Spibaum. Zum Frühstück um 9 gab es Speck mit Rührei, um 13 Uhr Brotzeithäppchen. Wadi pumpt ab, unter seinem Bett ist der Fäkalientank fürs vordere Klo und die Küche, die hintere Toilette geht direkt ins Meer. Um 12.30 Uhr sehen wir jede Menge Tümmler bei der Kanalausfahrt. Im Kanal z.T. wenig Wind, Landabdeckung und starker Strom. Wir überholen eine Yacht, die voll gegen die Strömung an der Außenseite fährt und kaum vorwärts kommt. In den ersten Stunden einige Tropfen Regen, alle sind wetterfest angezogen, bis auf Peter, der trägt immer kurze Hosen. Martin kauft früh im Supermarkt für sich ein, vor allem Salat, er darf kein Milcheiweiß und keine Milchprodukte essen. Früh kommt der Hafenmeister mit einem Klappfahrrad vorbei, wir zahlen ca. 20 Euro und bekommen 175 Kr. zurück. Toiletten und Waschhäuschen sind auf kurzen Wegen zu erreichen. Die Duschen gehen mit Karten vom Automaten, das ist neu für uns. Um 12.30 Uhr reißt der Himmel auf und es wird sehr warm auf Raumschotkurs. Bei 13 Knoten Wind segeln wir 6,5 KN zur Insel Samsö. Um 19.15 Uhr motoren wir in den Hafen von Ballen. Eine nicht eingetragene rote Tonne lassen wir an Backbord vorsichtig liegen. Wir gehen längsseits in eine sehr knappe Lücke. Wadi legt unter den Kommandos von K.O. um 19.20 Uhr an. Abends soll es Schinkennudeln mit grünem Salat geben, aber Peter entscheidet sich dann doch für Schnitzel mit Zwiebeln, Backkartoffeln und gemischten Salat.
Gefahrene Seemeilen 45
Donnerstag, 11.09.
Ab 6.50 Uhr läuft ein Schiffsdiesel auf dem Forschungsschiff hinter uns, an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Um 7 Uhr bezahlen Peter und ich die Hafengebühr. Anschließend kaufen wir noch eine Duschkarte und im nahe gelegenen Supermarkt für das Frühstück Schokoboller, Schnecken und anderes süßes Gebäck, 20 Brötchen, Brot und Vitamine in Form von Paprika, Zucchini, Zwiebeln, usw. Wir legen um 10.30 Uhr ab mit dem Eindampfen in die Achterspring, Wadi ist am Ruder. Es ist nebelig, Wind SO, 2-3 KN Wir motoren Kurs 90° bis 11.10 Uhr, setzen dann Groß und Genua bei Kurs 180° und passieren um 13 Uhr an Backbord eine Untiefentonne. Der Wind dreht auf OSO wir fahren fast Halbwindkurs. Um 14.30 Uhr schläft der Wind ein, Wadi macht hauchdünne Pfannkuchen, Peter für KO und Alfons eine extra Füllung mit Pilzen, Zwiebeln und Scheiblettenkäse. Die Angelversuche bleiben leider ohne Erfolg. Um 17 Uhr frischt der Wind wieder auf bis 18 KN. Wir fahren mit gereffter Genua und legen um 19.20 Uhr auf Kerteminde auf Fünen an. Gleich fällt uns ein Katamaran auf, an dem eine Leine nervig laut schlägt aber Wadi geht an Bord, belegt die Leine und Ruhe kehrt im Hafen ein. Wir liegen auf einem großen Yachthafen mit guter Sanitärausstattung, an den Grillplätzen sind Kräutergärten mit Petersilie, Schnittlauch, Rosmarin usw. zur freien Benutzung angelegt. Wir kaufen wieder Duschkarten und können für 10 Kr 10 Minuten duschen. Die Dusche ist wie bei der Bundeswehr offen. Heute gibt es Paprika und Tomaten gegrillt, Zucchini gedünstet und Schinkennudeln. Wir karten bis 00.30 Uhr Schafkopf.
Gefahrene Seemeilen 35
Freitag, 12.09.
Wolkenlos aber kalt. Wind hat aufgefrischt zwischen 18 und 23 KN
Nach dem Duschen und einem langen Frühstück legen wir um 10.30 Uhr bei heftigem Wellengang ab, alle Mann in Schwimmwesten und Lifebelts. Wir fahren ein schwieriges Ablegemanöver bei viel Wind und motoren eine halbe Stunde gegen Osten um einen besseren Kurs zum SO-Wind zu haben. Ab 11 Uhr segeln wir südlich bei ca. 1,5 Meter hohen Wellen immer auf die Brücke vom großen Belt zu. Nach 6 Schlägen und 4,5 Stunden später durchfahren wir sie. Das Aufkreuzen kostet Zeit und ist nass. Wir fahren immer steil gegen die Welle bei ziemlich rauer See. Der Wind frischt weiter auf 24-30 KN, Windstärke 7. Nach der Brücke gehen wir wieder auf Kurs 180°. Wir rollen zwar noch gewaltig, bleiben aber nicht mehr in der Welle stecken. Das ist erheblich magenschonender. Als wir in die Abdeckung von Langeland kommen gehen die Wellen zurück aber der Wind legt weiter zu. Vor dem Ort Lohals fahren wir Kurs West durch Untiefen nach Betonnungen, alle halten Ausschau. Wadi hat in dieser Ecke 10 KN Fahrt gemacht, den ersten Teil bis zur Brücke ist Fabian aufgekreuzt. Jetzt übernimmt Fabian wieder und erreicht durch die hinten anrollenden Wellen einen Rekord: 12 KN Fahrt im Surfen! Und das schafft er einige Male. Aber auch Wadi hat toll gesteuert, obwohl er immer wieder geduscht wurde von Wellen die übers Deck kamen. Die Brückendurchfahrt war beeindruckend. Auf dem Südkurs reist die Wolkendecke auf und wir genießen ein paar wärmende Strahlen. Der Wind passt bis zur Hafeneinfahrt von Svendborg, durch den ganzen Sund können wir unter Segel fahren. Wir legen um 19.30 Uhr im Stadthafen an, kaufen die übliche Duschkarte und 2 KW Strom durch Münzeinwurf. Die Sanitäranlagen sind vom feinsten, alles Einzelkabinen, in der Dusche eigenes WC. Drei Computer sind zum Surfen frei zugänglich. 23 Euro für 43 Fuß Bootslänge ist das teuerste bis jetzt. Abends gibt es Currywurst mit Zwiebeln und frischen Brötchen.
Gefahrene Seemeilen 49
Samstag, 13.09.
Sonnig, wir reparieren den Impeller, der gestern bei der Hafeneinfahrt ausgefallen ist. Wir suchen den Fehler, versuchen den Dreck auszublasen und wechseln schließlich den Impeller. Wir befestigen auch die Klemmkeile des Mastes, die öfter herunterfallen bei Seegang. Wir laufen den Sund mit ausgebaumter Fock aus, immer durch die traumhafte "Dänische Südsee" mit schönen Häusern und Booten direkt davor. Nach einstündiger Fahrt in den Westen fahren wir Kurs Süd durch ein Ragattafeld, das uns frontal entgegen kommt. Nach Passieren des letzten Bootes stellen wir unser Boot in den Wind und setzen das gereffte Groß. Es geht stundenlang südlich Richtung Kiel. Kurz vor dem Leuchtturm Kiel werden die Wellen höher und wir nehmen ordentlich Wasser über. Die Wellenhöhe erreicht öfter 2 Meter. In der Kieler Förde gibt es viel Verkehr mit Frachtern und Fähren, wir halten uns deshalb immer am äußersten Fahrbahnrand. Fabian fährt den größten Teil der Strecke, Wadi löst ihn für 2 Stunden ab. Wir sind insgesamt 8,5 Stunden unterwegs und das ständige Steuern im hohen Wellengang kostet viel Kraft. In der Abdeckung der Insel Aerö bereitet Peter Häppchen vor bei ruppigstem Wellengang. Es gibt Brötchen mit Gelbwurst, Leberwurst, Dosenfleisch und Limburger mit Zwiebelwürfel, alles feinstens geschnitten. Wir bewundern sein Durchhaltevermögen unter Deck! Um 19 Uhr bergen wir die Segel und Motoren in den Heimathafen, wo wir um 19.10 Uhr anlegen. Peter verwertet die Reste. Es gibt Nudeln mit Pilzsoße und angebratenen Wurstscheiben. Um 21.30 Uhr geht Martin von Bord, er war ein zuverlässiger, toller Skipper.
Gefahrene Seemeilen 73
Sonntag, 14.09.
Frühstück um 7.30 Uhr. Zum Waschhaus müssen wir eine ganze Ecke weit laufen und nehmen auf dem Rückweg Bollerwagen zum Entladen mit. Die Abnahme dauert ca. eine Stunde und es gibt kein Problem. Nach 6,5 Stunden kommen wir wieder in Bamberg an.
Gelernte Sprüche von Martin: „Der will uns racen!“ und „Der Mast spargelt.“
Fazit: Die Mannschaft passte, die Skipper auch. Das Boot war toll renoviert und schnell aber in den hinteren Kojen sehr eng für Erwachsene. Wir werden wieder „aufkreuzen“, so die einhellige Meinung aller Teilnehmer
Dezember 2008, Alfons Ernst