Jollensegeln auf der Müritz

Törnbericht

Lukas und Stefan Strohschneider

21. – 24. Mai 2009

 

Boot: Jolle “Ixylon“

L 5,10m, B 1,80m, T 0,82m,

170 kg, 15 m2 am Wind, Yardstick 114

gechartert beim „Sail Point“, Kamerun


Donnerstag

Schreck in der Morgenstunde: kurz hinter Schleiz bricht auf der Autobahn die Achse unseres Trailers. Wir haben Glück im Unglück und es passiert nichts weiter. Wir lassen das Boot abtransportieren und zur Reparatur in Schleiz. Nach kurzem Kriegsrat beschließen wir, einfach weiterzufahren und uns ein Leihboot zu suchen.

 

Nach einigem Suchen haben wir Glück: Beim Sail Point in Kamerun werden wir sehr freundlich aufgenommen, bekommen eine Ixylon und für die Nacht einen Platz zum Zelten. Spaziergang nach Waren, wo an dem langen Wochenende die Müritz Sail stattfindet. Tolle Stimmung. Abends geht ein apokalyptisches Gewitter über uns nieder.


 

Freitag

Bei frischem Wind geht’s los: Zum Einsegeln ein Schlag in der Binnenmüritz vor Waren, dann nochmal anlegen und Ölzeug anziehen, da beim Vorschoter die Klamotten einmal komplett nass wurden. Danach segeln wir, unterbrochen nur von einer Mittagspause an einem kleinen, wunderschönen und namenlosen Strand, die ganze Müritz bis runter nach Rechlin – immerhin gute 19 Meilen bei 3-4 Bft. Die Rucksäcke und somit auch unsere Kleider wurden einmal durchnässt, während wir nach Rechlin segeln. Anlegen und Zelten können wir beim Müritz Seglerverein Rechlin – sehr hübsch dort. Abends der übliche Gewittersturm.

   


 

Samstag:

Sonne und 4-5 Bft aus Westen, sportliches Jollensegeln.

 

 

Wir segeln erst mal drei Stunden hart am Wind (und somit auch viel Wasser im Boot und in den Rucksäcken) bis nach Röbel, wo wir beim Regattaverein das Bundesliga-Finale gucken können und auch gleichzeitig eine Pause machen.

 

 

Abends dann, bei abnehmendem Wind weiter nach Sietow, wo wir auf dem Gelände der Fischräucherei zelten dürfen. Lukas versucht, seine Klamotten zu trocknen


Sonntag

Wir stehen ganz früh auf und sind bei herrlicher Morgenstimmung fast alleine auf dem Wasser. Bei wenig Wind brauchen wir drei Stunden zurück bis Kamerun.

 

 

 

 

Danach geben wir das Boot ab und fahren wieder heim. Meinen Rucksack lasse ich beim Sail Point liegen, er wird mir ganz schnell und kostenlos nachgeschickt – danke liebe Familie Barczynski!


 

Allgemeine Anmerkungen und Hinweise:

Die Müritz ist ein wunderbares Segelrevier – besonders für Wanderjollen. Man kann praktisch überall anlegen und es gibt eine gut ausgebaute Wasserwander-Infrastruktur. Wir sind 42sm gesegelt und haben längst nicht alle Ecken gesehen. Die Verbindungen von der Müritz zu den anderen Seen (Kölpin-, Fleesen-, Plauer See) führen jeweils unter Brücken durch – da ist Mastlegen angesagt. Die Müritz ist größer als man denkt (als wir gedacht haben) und bei frischem W-Wind baut sich am Ostufer eine erstaunlich hohe See auf.

Die Ixylon-Jolle ist eine DDR-Konstruktion aus dem Jahre 1969; Besonderheit sind zwei Kimmschwerter (was die Plicht geräumig macht) und das als Fall ausgeführte Vorstag: Mastlegen leicht gemacht. Das Boot segelt schnell (wir brachten sie am Wind auf 6,8 kn), auch bei wenig Wind flott, macht aber bei Welle viel Wasser. Surfen wollte sie mit dem vielen Gepäck nicht. Der Bootstyp ist im Nordosten der Republik weit verbreitet, es gibt wohl insgesamt um die 5.000 Einheiten.

Slippen und Parken kann man z.B. in Röbel beim Wasser-Service Center Röbel oder eben auch beim Sail Point in Kamerun bei Waren, eine sehr hübsch gelegene Anlage mit netten Leuten. Die Preise sind überall ziemlich gleich.